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„Modernes Erzählen ist beziehungssuchend und gegenwärtig“*

*Norbert Kober

Zuhörende Kinder
Foto: Chi Lok Tsang on Unsplash.com

Das freie mündliche Erzählen lebt essentiell von dem direkten Kontakt mit dem Publikum. Wie sind Erzähler*innen damit umgegangen, als genau das nicht mehr möglich war? Rückblick und gleichzeitig Tipps für den Sommer.

Ein Beitrag von Simone Oruche-Brand

 

...die Faszination ist in dieser Unmittelbarkeit des Kontaktes.“ -zum Publikum- „...und das ist, was öffentliches Erzählen ausmacht, künstlerisches Erzählen ausmacht, dass ich die Leute mithole, ich hab hier ein Boot bereitet, und dann fahren die alle mit durch den Strudel, und sie helfen mir alle mit, damit wir da sicher durchkommen“ (Kristin Wardetzky in „Ja, natürlich! Ich erzähle frei.“ von Norbert Kober, xlibri.de Verlag)

Ja, und dann kam Corona. Der Zugang zum Publikum hat sich erschwert und die direkte Nähe unterbunden. Außenstehenden ist/war der Zugang zu Schulen, Kitas, Familienzentren, Seniorenzentren... untersagt, die meisten Veranstaltungen abgesagt. Eigene Veranstaltungen unterliegen Auflagen, sind jedoch inzwischen immerhin wieder z.T. möglich.

 

Wie haben einzelne Erzähler*innen darauf reagiert?

Auseinandersetzung mit modernen Techniken

Sehr viele haben sich intensiver mit dem Internet auseinandergesetzt und versucht auf diese Weise mit ihrem Publikum (und auch Erzählkolleg*innen) in Kontakt zu bleiben oder zu treten. Die Herausforderung war und ist die räumliche Distanz, bei der ein Austausch eingeschränkt oder gar nicht möglich ist. Viele Videos und Livestreams z.B. auf Youtube, Facebook, Vimeo und Co entstanden, ebenso wie virtuelle Veranstaltungen und Treffen auf Zoom, Jitsi etc..

Auch Podcasts. Einen davon möchte ich herausgreifen und vorstellen.

 

Podcast „Andere Gedanken“ der Storybox München

Und zwar aus mehreren Gründen: Die initiierende Erzählerin und Pianistin Momo Heiß hat nicht nur für sich selbst dieses Format geschaffen, sondern es für ganz viele Erzähler*innen geöffnet. Sie hat alle frei erzählten Geschichten kunstvoll mit Musik bereichert, so dass der fehlende direkte Kontakt durch die berührende Emotionalität der Musik ziemlich ausgeglichen wird.

Dazu sorgt sie durch unermüdliche Spenden- und Fördergeldbeantragungen für eine angemessene Bezahlung aller Erzähler*innen.

Die Rede ist von dem Podcast ANDERE GEDANKEN der Storybox München.

Hört rein, lasst Euch inspirieren, genießt, teilt - und spendet bitte gerne auch!

Inzwischen beinhaltet er unglaubliche 55 Folgen.

 

Erweiterung des Wissens und Repertoires durch das Lesen von Büchern

Zu dieser altbewährten Methode griff die Verfasserin des Artikels und stellt Euch hier eine völlig subjektive Auswahl vor.

  • "Der Kult der drei heiligen Frauen - Mythen, Märchen und Orte der Heilkraft" von Kurt Derungs und Sigrid Früh, edition amalia Verlag

    Sehr spannend, da es die Hintergründe der in Märchen oft vorkommenden drei Frauen / Feen / Jungfrauen erhellt und zeigt, dass in vielen alten Sagen, Mythen und Märchen noch uralter Glaube an weibliche Göttinnen durchscheint. Plötzlich werden die drei Schicksalsfrauen auch in den heiligen drei Königen und in kirchlichen Wandbemalungen, ganz offen als weibliche Dreieinigkeit dargestellt, sichtbar. Ganz klare Leseempfehlung um den Blick zu erweitern! Außerdem voller Geschichten.

  • "Kindermärchen aus aller Welt" ausgewählt von Djamila Jaenike, illustriert von Cristina Roters, Mutabor-Verlag

    Sammlung an beliebten, verschiedensten Märchen für jüngere und ältere Kinder.

  • "Nasreddin Hodscha - 666 wahre Geschichten" herausgegeben von Ulrich Marzolph, C.H. Beck Verlag

    Umfassende Sammlung und geschichtlicher Hintergrund weiser, schelmischer, sozialkritischer und auch obszöner Geschichten, die über die Jahrhunderte Nasreddin zugeordnet wurden.

Viel Freude beim Lesen und Podcast-Hören!

Und falls Sie auch Bücher, Podcasts etc. zu empfehlen haben oder gar einen Blogartikel beitragen wollen - schreiben Sie bitte an kontakt@stiftungerzaehlen.de

 

Schönen Sommer, bis im Herbst!

Simone Oruche-Brand